Ein erstes Treffen hatte im April in Caen stattgefunden, wo die Jugendlichen sich mit der Landung der Alliierten in der Normandie und deren Folgen auseinandersetzten. Ende Juli trafen sich beide Gruppen in Berlin, einem idealen Ort, um Ursachen und Folgen des Naziregimes zu erkunden. Es wurden viele geschichtsträchtige Orte besucht, darunter das Liebermannhaus am Pariser Platz, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem jüdischen Maler Max Liebermann und seiner Ehefrau Martha bewohnt wurde. Liebermann verstarb im Jahr 1935, seine Frau Martha verübte am Vortag ihrer Deportation nach Theresienstadt Selbstmord. Sie war eines von sechs Millionen Opfern des Nationalsozialismus, für die das Holocaust-Mahnmal errichtet wurde. Unzählige jüdische Kinder wurden in Vernichtungslager Richtung Osten transportiert. Zehntausend von ihnen hatten die Chance, nach England auszureisen und damit dem sicheren Tod zu entrinnen. Das Denkmal „Züge in das Leben – Züge in den Tod 1938–1939“ am Bahnhof Friedrichstraße erinnert an diese Kindertransporte während der NS-Zeit. Auch zu DDR-Zeiten wurden Menschenrechte missachtet. Die Kreuze zwischen Brandenburger Tor und Bundestag stehen zum Gedenken an die Mauertoten, die vergeblich versuchten, das Land zu verlassen. Schauplatz vieler emotionaler Abschiede während des Kalten Krieges war der Tränenpalast. Das Alliiertenmuseum erinnert an die Besatzungszeit durch die Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg. Hochinteressant die zahlreichen Exponate: der Spionagetunnel, eine Hastings, die während der Berlinblockade zum Einsatz kam, um die Westberliner Bevölkerung aus der Luft zu versorgen, und der Waggon des französischen Militärzuges. Auch die Führung an der Gedenkstätte Berliner Mauer hinterließ einen bleibenden Eindruck bei den Jugendlichen. Welch perfides System, um eine ganze Bevölkerung einzusperren und ihrer Freiheit zu berauben. Wesentlich entspannter und fröhlicher gestaltete sich der Besuch der Eastside Gallery, des längsten noch erhaltenen Abschnitts der Berliner Mauer. Ein sehenswertes Schauspiel war die Lichtprojektion am Elisabeth-Lüders-Haus im Parlamentsviertel. Ebenso beeindruckend war die Führung durch das Museum der Blindenwerkstatt Otto Weidt, der viele jüdische Mitbürger vor dem sicheren Tod rettete. Der Austausch über Begriffe wie Freiheit, Frieden, aber auch Trauer und Verlust und ihre künstlerische Umsetzung in Graffitis rundeten das Programm ab. Gemeinsames Bummeln und Shopping am Alexanderplatz und Potsdamer Platz machten den Austausch perfekt. Die Webseite zum Projekt findet man unter folgendem Link: austausch2025.wordpress.com. Wir bedanken uns beim Deutsch-Französischen Jugendwerk, beim Bezirk Unterfranken und beim Deutsch-Französischen Club Miltenberg für die finanzielle Unterstützung.
Brigitte Hartung-Bretz

